Gemeinsam gegen Guss – HU-Stand beim Festival der „Grätsche gegen Rechtsaußen“ in Echzell

HU-Stand

Aktive der Humanistischen Union (HU) beim Stand in Echzell. (Foto: Olivia Wickerle)

„Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ wollten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Echzell am Samstag (6. August) feiern.

Bereits zum zweiten Mal veranstaltete der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ im Echzeller Ortsteil Gettenau ein Festival gegen Hass und Rechte Gewalt. Erstmals dabei war im Jahr 2011 auch die Humanistische Union (HU) mit einem eigenen Informationsstand.

Gegründet hatte sich die „Grätsche gegen Rechtsaußen“ nachbeängstigenden Vorfällen in Gettenau. Dort hatte ein Neonazi eine Hofreite aufgekauft, die sich danach zum Treffpunkt rechtsradikaler Jugendlicher und Erwachsener entwickelte. In einem eigens dafür umgestalteten Raum fanden sogenannte „Gaskammer-Partys“ statt.

Kritische Äußerungen von Nachbarn wurden abnschließend mit Bedrohungen und anderen Einschüchterungsaktionen quittiert. Reifen von parkenden Autos wurden plattgestochen. Aus einem Luftgewehr wurden Schüsse auf eine Fensterscheibe abgefeuert.

Diese Erfahrungen veranlassten Bewohner von Echzell schließlich zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen Neofaschismus. Aus ihr ist dann der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ hervorgegangen.

Mit einem großen Festival im Sommer 2010 konnte die „Grätsche“ im Sommer 2010 die große Mehrheit der Menschen in der Region für sich gewinnen. Mehr als 900 Besucher verzeichnete ihr Festival, an dem auch prominente Politiker aus der Region und der Landespolitik teilnahmen.

Die Neuauflage im Sommer 2011 sollte nun an debn Erfolg des Vorjahrs anknüpfen. Viel Mühe hatten sich die Menschen aus der Wetterau gemacht, um ein buntes Kulturprogramm auf die Beine zu stellen.

Nach der Beteiligung an den Aktionen gegen einen Nazi-Aufmarsch am Samstag (16. Juli) in Gießen war die Humanistische Union Marburg – Regionalverband Nord- und Mittelhessen auch der Einladung der „Grätsche gegen Rechtsaußen“ gerne gefolgt, mit einem eigenen Stand an dem Festival in Echzell teilzunehmen. Vollständig war der vierköpfige Vorstand der HU Marburg dort am Samstagnachmittag vertreten.

Während im Festzelt bereits ein ökumenischer Gottesdienst begann, halfen Aktive der Sportjugend Hessen der HU beim Aufbau eines Stands mit Überdachung. Ein großes Schild mit dem Logo und Schriftzug der HU prangte hinter dem Tapeziertisch mit Flugschriften, den Mitteilungen der HU und Exemplaren des „Grundrechte-Reports“.

In kürzeren Programmpausen konnten die HU-Vertreter Lieder wie Georg Kreislers „Tauben vergiften“, die „Kristallnacht“ von Bapp oder „Sascha“ von den „Toten Hosen“ abspielen. Im Zelt lösten sich zwischendurch Reden von Vertretern der Grätsche, des Echzeller Bürgermeisters und von prominenten Politikern aus dem hessischen Landtag und der Landesregierung mit Musik unterschiedlicher Richtungen und einem Tanz-Workshop ab.

Draußen gab es vielfältige Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene. Mit einem Sponsorenlauf konnten Interessierte die Bildungsarbeit der „Grätsche“ für Jugendliche mitfinanzieren.

Neben Essens- und Getränkeständen waren die Sportjugend Hessen, die Bildungsinitiative gegen Faschismus und das Beratungs-Netzwerk Hessen vertreten. An ihm sind neben der Philipps-Universität Marburg und der hessischen Landes- sowie der Bundesregierung sowie dem Hessischen Landeskriminalamt auch zahlreiche Bildungs- und Unterstützungsprojekte beteiligt. Die Vereinsgründung in Echzell war auch mit Unterstützung dieses Netzwerks zustandegekommen.

Einmalig bei diesem Verein zumindest für Hessen ist die Mitgliedschaft von gleich vier Kommunen in der Wetterau. Diese Tatsache zeigt, dass die Kommunalpolitik das Problem des Neofaschismus wirklich ernst nimmt. Allerdings war beispielsweise die Gemeinde Wölfersheim auch jahrelang wegen des hohen Stimmenanteils der NPD bei den Gemeinderatswahlen verschrien, sodass ihre Mitgliedschaft sicherlich ein besonders wichtiges Signal für die demokratische Haltung der Mehrheit darstellt.
Den ganzen Nachmittag über verzeichnete die HU an ihrem Stand großes Interesse für die Bürgerrechtsarbeit. Erstaunlich viele Besucher kannten die HU bereits.

Gegen 17.30 Uhr gingen die Veranstalter dann über den Festplatz und kündigten einem möglicherweise vorzeitigen Abbau der Stände an. Grund waren allerdings nicht Zusammenrottungen von Rechtsradikalen, sondern eine Unwetterwarnung.

Als Donner und Starkregen dann tatsächlich den Festplatz erreicht hatten, evakuierte die örtliche Feuerwehr das Festzelt und anschließend auch die Informationsstände. Alle Gäste des Festivals versammelten sich im nahegelegenen Feuerwehr-Gerätehaus, während draußen wahre Sturzbäche herniederprasselten und ein starker Sturm wütete.

Kurz vor 18 Uhr verließen die vier Vorstandsmitglieder der HU Marburg dann das Festival, als der Regen etwas nachgelassen hatte. Während der völlig durchnässte Tronje Döhmer seine vorzeitige Heimkehr sehr bedauerte, hatten die drei anderen ohnehin vorgehabt, das Fest nach Abbau des Stands zu Beginn des Abendprogramms zu verlassen.

Zurück blieben wohl 200 Festgäste im Gerätehaus der Gettenauer Feuerwehr. Selbst ein Gewitter mit Starkregen und Sturm hatte sie nicht abhalten können davon, miteinander zu feiern „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“.

Franz-Josef Hanke

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